Session

Eine Session ist eine mehr oder weniger zufällige Zusammenkunft von Musikern zu dem Zweck, Musik zu machen 😉

In der Regel wird hierfür kein Geld genommen, es gibt in Irland aber auch sogenannte Paid Sessions, bei denen die Musiker dafür bezahlt werden, daß sie zur Unterhaltung des (touristischen) Publikums musizieren. Die Bezahlung erfolgt hierbei entweder in Form von Naturalien (Guinness!) oder Bargeld.

Wie funktioniert das?

Meist spielen die Musiker einer Session ziemlich regelmäßig zusammen, aber es kommt natürlich vor, dass sich ein Neuling hinzuverirrt.

Egal welches Instrument man spielt sollte man, bevor man auspackt und loslegt erst eine Weile zuhören und beobachten, wie die Session funktioniert und auf welchem musikalischen Level gespielt wird.

Erst dann sollte man entscheiden, ob man in der Lage ist, hier mitzuspielen. Und auch dann macht man sich sicher beliebt(er), wenn man die Spieler vorher fragt, ob man sich dazusetzen und mitspielen kann.

In der Regel braucht man keine Angst vor einer Abfuhr zu haben, aber alle werden diese Höflichkeit zu schätzen wissen.

Darüber hinaus gibt es eine ungeschriebene "Session-Etikette", die man kennen sollte.

Session-Etikette

Als Bodhránspieler hat man das große Glück, jedes Tune mitspielen zu können, unabhängig davon, ob man es kennt oder nicht. Solange man den Rhythmus beherrscht und das Tempo halten kann ist man schon auf der sicheren Seite. Deshalb gelten die ungeschriebenen Regeln nur zum Teil für uns, aber es schadet nicht, wenn man sie kennt.

Wer schon mal bei einer Session zugehört hat, dem wird vielleicht folgendes aufgefallen sein:

Ein Spieler beginnt ein Tune, die anderen hören kurz zu und stimmen, wenn sie das Tune kennen mit ein. Manchmal sprechen die Spieler auch die Reihenfolge der Tunes in einem sogenannten Set vorher ab.

Wie auch immer, derjenige Spieler, der ein Set mit einem Tune beginnt, bestimmt das Tempo. Es gilt als unhöflich, dieses Tempo zu beschleunigen oder zu verlangsamen.

Im ersten Fall bringt man damit vielleicht den Melodiespieler in Schwierigkeiten, weil er nur bis zu einem bestimmten Tempo mithalten kann. Im zweiten Fall, vor allem wenn es regelmäßig vorkommt, verliert die Session an Schwung und die Spieler die Lust.

Am Ende eines Tunes halten die übrigen Spieler kurz Inne, um zu hören, was als nächstes gespielt wird (es sei denn, das wurde vorher abgesprochen) und derjenige Spieler, der das Set begonnen hat, bestimmt das nächste (und nächste, und nächste...) Tune.

Sehr unhöflich ist es, ein Set sozusagen zu kapern und einfach mittendrin ein Tune "reinzuschmuggeln", was uns Bodhránspielern zum Glück nicht passieren kann.

Eine nicht immer ganz ernst gemeinte Regel besagt, dass in einer Session kein Tune zwei Mal gespielt werden darf.
Dann kommt nämlich die Sessionpolizei...

Ich denke, es handelt sich hier eher um eine Art Gedächtnistraining 😉

Wie kommt es eigentlich?

...dass die Musiker immer alle gleichzeitig aufhören?

So oder so ähnlich werde ich auf Sessions oft von Zuhörern gefragt.

Dazu muss man die Struktur irisch-traditioneller Musik verstehen. Die Mehrzahl der Tunes folgen nämlich einem sehr einfachen Grundschema. Sie bestehen aus einem A-Teil und einen B-Teil. Jeder A-Teil besteht aus 8 Takten und wird wiederholt, gleiches gilt für den B-Teil.

Daraus ergibt sich das Schema AA BB, welches wiederum 3 Mal wiederholt wird, also AA BB AA BB AA BB.

Da wie gesagt jeder Teil 8 Takte lang ist, ergeben sich für ein Tune, welches diesem Schema folgt 8x12 = 96 Takte.

Man muß also schon recht gut zählen können, um irisch-traditionelle Musik zu machen 😉

Das ist natürlich Quatsch. Wenn man eine Weile spielt, dann hat man es irgendwann im Gefühl und muss nicht mehr zählen. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Natürlich gibt es auch etliche Tunes, die von diesem Schema abweichen.

So gibt es z.B. Tunes, bei denen die einzelnen Teile nicht wiederholt werden. Man spielt also A B A B A B.

Oder es gibt noch einen C-D-E-...Teil. Oder oder oder...

Aber die meisten Tunes folgen dem genannten Schema, das macht die Musik so schön einfach 🙂

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